NAKR 10: Qualität der Bauausführung

1. Ziel und Intention

Über Messungen zur Gebäudequalität soll die erwartete Güte des Bauwerks bestätigt werden bzw. sollen Mängel am Bauwerk und Risiken aus dem Bauwerk möglichst ausgeschlossen werden.

Die Überprüfung von Gebäudequalitäten ist angeraten, da einerseits die Planungsansätze nicht alle Praxisanwendungen abdecken können und andererseits die Bauausführung nicht immer exakt mit der Planung übereinstimmt. In der Nutzung können Baumängel zu Mehrkosten und Unbehaglichkeit führen.

Durch die Feststellung ausgewählter Ist-Qualitäten können vorliegende Mängel rechtzeitig erkannt und beseitigt werden.

2. Erläuterung

Es werden drei Messungen durchgeführt, die eine Bewertung der Qualität der Planung und Bauausführung aus energetischer bzw. bauphysikalischer, gesundheitlicher und akustischer Sicht ermöglichen.

Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle
Die Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle wird mit einem Differenzdrucktest (z. B. Blower-Door-Test) bestimmt.
Im Gebäude werden, unter genormten Bedingungen, abwechselnd Überdruck und Unterdruck erzeugt. Der dadurch entstehende Luftabfluss oder Luftzufluss über die Gebäudehülle wird gemessen und mit Kennwerten verglichen.

Innenraumluftqualität
Die Verwendung schadstofffreier und schadstoffarmer Bauprodukte in Innenräumen soll eine schadstoffarme Innenraumluftqualität sicherstellen. Indikatoren für den Schadstoffgehalt in der Raumluft sind u.a. die Gehalte an TVOC und Formaldehyd. TVOC (Total Volatile Organic Compounds) ist als die Summe flüchtiger organischer Verbindungen definiert. Das sind kohlenstoffhaltige Stoffe, die schon bei niedrigen Temperaturen als Gas vorliegen. Dazu gehört auch Formaldehyd. TVOC-Konzentrationen ab 3.000 µg/m³ können beeinträchtigende oder sogar gesundheitsschädigende Wirkungen hervorrufen und sind laut Bekanntmachung des Umweltbundesamtes [1] hygienisch bedenklich. Bei solchen Konzentrationen häufen sich die Fälle von Beschwerden und Geruchswahrnehmungen, so dass in solchen Fällen eine Nutzung der Räume allenfalls befristet empfohlen werden kann.

Raumakustische Qualität
Eine hinreichende raumakustische Qualität soll über NAKR 6 durch rechnerische raumakustische Nachweise erreicht werden. Die Umsetzung der Berechnungen in planerische und bauliche Maßnahmen kann durch die Messung der Nachhallzeit überprüft werden.

3. Durchführung

3.1  Messung der Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle
Es ist die Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle nach DIN EN 13829:2001-02 (Verfahren B) zu messen.
Für Gebäude mit einem Nettoinnenraumvolumen bis 1.500 m3 wird die Luftwechselrate n50 [h-1] ermittelt.
Für Gebäude mit einem Nettoinnenraumvolumen über 1.500 m3 wird die Luftdurchlässigkeit q50 [m·h-1] ermittelt.

Die Messergebnisse müssen die Anforderungen der folgenden Tabelle erfüllen. In der Tabelle  beschreibt der Regelfall sowohl Wohngebäude als auch Nichtwohngebäude. Der Sonderfall beschreibt Wohngebäude, die sämtliche Anforderungen des KfW-Effizienzhaus 70 Standards der KfW-Bankengruppe (www.kfw.de) erfüllen. Für den Sonderfall sind höhere Grenzwerte vorgegeben, die Einhaltung der niedrigeren Grenzwerte des Regelfalls wird jedoch empfohlen.

  Anforderung
  Regelfall Sonderfall
Wohngebäude nach KfW 70 Standard
Luftwechselrate n50 bei Gebäuden mit einem Innenraumvolumen ≤ 1.500 m3
- Gebäude ohne raumlufttechnische Anlagen ≤ 2,0 h-1 ≤ 3,0 h-1
- Gebäude mit raumlufttechnischen Anlagen ≤ 1,0 h-1 ≤ 1,5 h-1
Luftwechselrate n50 bei Gebäuden mit einem Innenraumvolumen > 1.500 m3
- Gebäude ohne raumlufttechnische Anlagen ≤ 3,0 m • h-1 ≤ 4,5 m • h-1
- Gebäude mit raumlufttechnischen Anlagen ≤ 2,0 m • h-1 ≤ 2,5 m • h-1


Tabelle 1: Anforderungen der Luftdurchlässigkeitsmessung


3.2 Messung der Innenraumluftqualität

Es ist eine Innenraumluftmessung von einer nach EN ISO/IEC 17025 für das Sachgebiet Innenraumluftmessungen akkreditierten Messstelle durchzuführen, bei der sowohl der TVOC-Gehalt als auch der Formaldehyd-Gehalt in der Raumluft nach DIN (EN) ISO 16000 gemessen wird.

Folgende Anforderungen sind einzuhalten.

Die Messung erfolgt in ausgewählten Räumen gemäß Tabelle 2 bis spätestens 4 Wochen nach Fertigstellung der Räume. Die Fertigstellung wird als der Zeitpunkt definiert, zu dem alle Arbeiten der baulichen und haustechnischen Gewerke, einschließlich der Inbetriebnahme von Lüftungsanlagen, beendet sind. Die Messung ist ohne die lose Möblierung des Raumes unter üblichen Nutzungsbedingungen durchzuführen.

Die Anzahl der Messräume ist für jede Hauptnutzung (Büro, Unterricht, Pflege, u.a.) nach dem jeweiligen Ausstattungstyp der Räume ohne Berücksichtigung der losen Möblierung zu bestimmen. Für die Messung sind repräsentative Räume auszuwählen.

Räume im Gebäude Ausstattungstyp (ohne Möblierung) Anzahl der Messräume
≤ 100 im Wesentlichen gleicher Ausstattungstyp aller Räume 2
Ausstattungstyp, der bei mehr als 10 % aller Räume im Gebäude vorkommt 1 pro Typ
> 100 im Wesentlichen gleicher Ausstattungstyp aller Räume 3
Ausstattungstyp, der bei mehr als 10 % aller Räume im Gebäude vorkommt 2 pro Typ


Tabelle 2: Anzahl der Messräume


3.3 Messung der Raumakustik der Innenräume

Zur Überprüfung der Wirksamkeit planerischer und baulicher Maßnahmen für eine akzeptable Raumakustik gemäß NAKR 6 muss die Nachhallzeit nach dem Standardverfahren von DIN EN ISO 3382-2 in kritischen Räumen nachfolgender Raumtypen für die Frequenzen 125, 250, 500, 1.000, 2.000 und 4.000 Hz gemessen werden (Kritische Räume liegen vor, wenn im NAKR 6 die Anforderungen für die Nachhallzeit rechnerisch nicht erfüllt wurden):

4. Nachweise

Folgende Dokumente sind vorzuhalten:

Nachweisformular

Luftdurchlässigkeitsmessung
Der Bericht und die Ergebnisse der Luftdurchlässigkeitsmessung sind vorzuhalten.

Innenraumluftmessungen
Der Bericht und die Ergebnisse der Innenraumluftmessungen sind vorzuhalten.

Nachhallzeit-Messungen (bei Nichteinhaltung der Anforderungen für die Nachhallzeit im NAKR 6)
Der Bericht und die Ergebnisse der Nachhallzeit-Messungen sind vorzuhalten.

5. Externe Datengrundlagen

[1]   Bekanntmachung des Umweltbundesamtes: Beurteilung von Innenraumluftkontamina-tionen mittels Referenz- und Richtwerten; Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 7 · 2007, S. 990 - 1005
[2]   DIN EN 13829:2001-02, Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden – Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden – Differenzdruckverfahren
[3]   DIN EN ISO 16000-1:2006-06, Innenraumluftverunreinigungen – Teil 1: Allgemeine Aspekte der Probenahmestrategie
[4]   DIN EN ISO 16000-2:2006-06, Innenraumluftverunreinigungen – Teil 2: Probenahmestrategie für Formaldehyd
[5]   DIN ISO 16000-3:2013-01, Innenraumluftverunreinigungen – Teil 3: Messen von Formaldehyd und anderen Carbonylverbindungen in der Innenraumluft und in Prüfkammern – Probenahme mit einer Pumpe
[6]   DIN EN ISO 16000-5:2007-05, Innenraumluftverunreinigungen – Teil 5: Probenahmestrategie für flüchtige organische Verbindungen (VOC)
[7]   DIN ISO 16000-6:2012-11, Innenraumluftverunreinigungen – Teil 6: Bestimmung von VOC in der Innenraumluft und in Prüfkammern, Probenahme auf Tenax TA®, thermische Desorption und Gaschromatographie mit MS oder MS-FID
[8]   DIN EN ISO 3382-2:2008-09, Akustik – Messung von Parametern der Raumakustik – Teil 2: Nachhallzeit in gewöhnlichen Räumen
[9]   DIN EN ISO/IEC 17025:2005-08, Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien